
Berlin (kath.net/idea)
Bei den Angriffen des Bundestagsabgeordneten der Grünen Volker Beck auf das
Christival wegen eines geplanten Seminars über Hilfen für Menschen, die ihre
homosexuellen Neigungen als Not empfinden, geht es offensichtlich um
grundsätzliche Fragen von Gewissensfreiheit, Meinungsfreiheit,
Religionsfreiheit, also auch Freiheit der Verkündigung in Deutschland. Ich
verstehe und unterstütze die Reaktion der Verantwortlichen des Christival,
das kritisierte Seminar angesichts der Angriffe nicht durchzuführen, weil
den Teilnehmenden des Seminars der notwendige seelsorgerische Schutzraum
nicht gewährleistet werden kann. Zugleich muss dieser Vorgang die Christen
im Lande wachrütteln. Es geht nicht nur um das begrenzte Thema, wie einzelne
Menschen Homosexualität ethisch beurteilen. Dass Herr Beck und die mit ihm
verbundenen Gruppen anderen nicht einmal die Freiheit zugestehen, dass sie
ihre homosexuellen Empfindungen als Problem sehen können und nach Hilfen
suchen, die nicht im Ausleben der Homosexualität liegen, zeigt, dass es hier
um Grundfragen unseres Freiheitsverständnisses geht. Die an biblischen
Aussagen orientierte ethische Kritik an praktizierter Homosexualität wird
nicht nur als Kritik am Verhalten von Menschen, sondern als Diskriminierung
ihrer Identität und damit als Verletzung ihres Grundrechtes angesehen. Eine
solche ethische Sicht wird anderen darum nicht einmal als selbstgewählte
Möglichkeit zugestanden.
Niemand sollte glauben, dass sich diese Intoleranz nur auf das Gebiet der
Homosexualität beschränken wird. Mit der gleichen Logik lässt sich die
christliche Verkündigung, dass der Mensch in seiner Gottlosigkeit unter dem
Gericht Gottes steht und nur durch Christus gerettet werden kann, als
Diskriminierung des selbstbestimmten Menschen, der nicht an Gott glauben
will, beurteilen. Schon das Bekenntnis der Christen zu Gott, dem Schöpfer
der Welt, kann so gesehen werden. Soll damit etwa unterstellt werden, dass
Gott der Schöpfer aller Menschen ist und nicht nur derer, die an ihn
glauben?
Die aggressiven Reaktionen selbst auf die vorsichtigsten Versuche, die
Evolutionstheorie als Theorie und nicht als allein wahres Dogma zu
verstehen, zeigen, dass hier ein wunder Punkt getroffen wurde. An Gott, den
Schöpfer, darf man offensichtlich nur glauben, wenn man zugleich
augenzwinkernd zu verstehen gibt, dass dieser Glaube nichts mit der
Wirklichkeit zu tun hat, sondern in das Reich der Märchen gehört. Halten
diese Kritiker uns Christen eigentlich alle für Heuchler oder Vollidioten,
wenn wir im Gottesdienst das Apostolische Glaubensbekenntnis sprechen?
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Die Tonart in der angeblich so toleranten postmodernen Gesellschaft wird
rauher. Toleranz gilt offensichtlich nur für die, die das Grunddogma "Alles
ist gleich gültig, nichts ist verbindlich wahr für alle" glauben. Wer dem
nicht wenigstens stillschweigend zustimmt, ist Fundamentalist und muss als
Bedrohung für die Freiheit bekämpft werden. Hallo, ihr liberaleren Christen,
fühlt euch nicht zu sicher, wenn ihr euch von den Evangelikalen distanziert!
Die Fundamentalismuskeule reicht auch bis zu euch. Prof. Ulrich Beck (Uni
München) - ein Beck kommt selten allein -, hat es pünktlich zu Weihnachten
in der ZEIT angekündigt: "Das Samenkorn religiös motivierter Gewalt liegt im
Universalismus der Gleichheit der Glaubenden begründet, die den Anders- oder
Ungläubigen entzieht, was sie dem Glaubenden verheißt: Menschenwürde,
Gleichheit in einer Welt von Fremden. Das ist die Sorge, die um sich greift:
dass als Kehrseite des Versagens der Säkularisierung, ein neues Zeitalter
der Verfinsterung droht. Die Gesundheitsminister warnen: Religion tötet.
Religion darf an Jugendliche unter 18 Jahre nicht weitergegeben werden."
(Ulrich Beck, Gott ist gefährlich, DIE ZEIT Nr. 52, 19. 12. 2007)
Zugegeben, wir Christen genießen die Freiheit, die wir in unserem
Rechtsstaat bisher haben. Und wir werden alles tun, um diese Freiheit zu
erhalten - auch für unsere Gegner. Allerdings muss man realistisch sein.
Jesus hat seinen Leuten nicht versprochen, dass sie ihren Glauben
unbekümmert in Freiheit leben und äußern können. Nur eins muss klar sein:
Auch wenn uns diese Freiheit nicht zugestanden wird, werden wir Gott mehr
gehorchen als den Menschen. Hoffentlich! Daran werden sich manche Christen
erst wieder gewöhnen müssen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht - von
bequemer Freiheit verwöhnt - selbst die Schere im Kopf betätigen und uns aus
Feigheit den Mund verbieten. Wie man am Christival-Beispiel sehen kann,
werden unsere ach so toleranten Kontrahenten durch Nachgeben nur ermutigt,
umso dreister draufzuhauen. Nein, Gefängnis droht nicht so schnell. Erst
einmal Streichung der staatlichen Zuschüsse, falls man sie erhält. Dann muss
es wenigstens nicht mehr heißen: "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing."
Steht auf, wenn ihr Christen seid!
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