
London / Sydney (www.kath.net) „Mit großem Bedauern werde ich meine 31-jährige Mitgliedschaft bei Amnesty International beenden.“ So reagierte jetzt der britische katholische Bischof von East Anglia, Michael Evans, auf die Kehrtwende der Menschenrechtsorganisation in der Abtreibungsfrage.
Amnesty International (AI) verliert tatsächlich immer mehr kirchliche Unterstützung. Seit Monaten haben katholische Organisationen den sich abzeichnenden Pro-Abtreibungs-Kurs von AI kritisiert und angekündigt, die Organisation nicht mehr zu unterstützen.
AI hat die bisherige „neutrale“ Position in der Frage aufgegeben und nach zweijährigem Konsultationsprozess bestätigt, sich weltweit für die „Entkriminalisierung“ der Abtreibung einzusetzen.
AI befürwortet in einer Presseerklärung das Recht auf Abtreibung im Falle von gesundheitlicher Gefahr, Vergewaltigung oder Inzest. Deutlicher bringt es AI-Chefin Irene Khan gegenüber der Schweizer „Weltwoche“ auf den Punkt: „Gemäß der Menschenrechtsgesetzgebung gibt es kein Recht auf Leben für einen Fötus.“
Diese Position empört immer mehr Mitglieder. Bischof Evans widerspricht: Die UN garantierten Kindern das Recht auf „angemessenen Schutz vor und nach der Geburt“.
Das sei mit Sicherheit „Teil des Gesetzeskörpers internationaler Menschenrechte“, für die sich AI einsetze. Die nun gefällte Entscheidung mache es Katholiken sehr schwer, „Mitglieder von Amnesty zu bleiben oder ihr finanzielle Hilfe zu gewähren“.
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Bischof Evans stellt klar: Die katholische Kirche teile die entschlossenen Bemühungen gegen Gewalt gegen Frauen, aber „derart entsetzliche Gewalt sollte nicht mit Gewalt gegenüber der verwundbarsten und schutzlosesten Form menschlichen Lebens im Schoß einer Frau beantwortet werden“.
Er warnt Amnesty davor, die eigenen Grundsätze zu verleugnen: AI setze sich jetzt auch bedingungslos gegen Folter ein. Den Gebrauch von Folter für lediglich eine einzige Extremsituation einzuräumen – wie beispielsweise bei einer Terrordrohung – hieße, Amnestys absolute Ablehnung der Folter zu kompromittieren.
Ebenso kompromittiere „die Förderung des Zugangs zur Abtreibung – mögen die Situationen auch noch so schlimm sein – Amnestys Auftrag, das Menschliche zu schützen‘“.
Proteste kommen auch aus Australien. Der Direktor des St. Aloysius College in Sydney bedauert, dass seine Schule nun die Verbindung zu AI aufgeben müsse: Abtreibung „schließt ausdrücklich eine der verwundbarsten Gruppen der Gesellschaft – den ,ungeborenen Menschen’ – aus seinen Menschenrechtskampagnen aus“, sagt der Jesuitenpater Chris Middleton.
Kardinal Renato Martino, der Präsident des Päpstlichen Rates Iustitia et Pax, rief vor einiger Zeit alle Katholiken auf, nicht mehr für AI zu spenden. Bischöfe aus den USA, Australien, Kanada haben klar gegen den neuen Kurs Stellung bezogen.
„Die Abtreibung tötet nicht nur das Kind, sie würde auch der Mutter eine weitere seelische Verletzung hinzufügen“, ergänzt die Ärztin Claudia Kaminski, Bundesvorsitzende der deutschen „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA).
Auch die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt hat sich distanziert. In einer Aussendung heißt es: „Das Recht auf Leben ist für uns das höchste zu schützende Gut und Menschenrecht Nummer Eins!“
„Wie will sich Amnesty International nun noch weiter glaubwürdig für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen, wenn doch das einzelne ungeborene Leben ganz offensichtlich nicht zählt?“ fragt Mechthild Löhr, die Vorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), einer Lebensrechtsinitiative innerhalb der CDU/CSU.
Indes stellt sich Amnesty in Irland gegen die neue Politik, wie die Vorsitzende Noeleen Hartigan gegenüber Zenit bestätigt hat.
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