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16. April 2007, 15:22
Sancte Petre, tu illos adiuva














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  THEMA 'BenediktXVI'

Ein Geburtstagsfest am Petersplatz - Ein Bericht von Paul Badde / Die Welt über die große Eucharistiefeier am Petersplatz vom vergangenen Sonntag

Rom (kath.net/DieWelt)
Kaiserwetter für den Papst. Die Sonne hoch am Himmelblau. Einer der ersten wirklich warmen Frühlingstage am Tiber, wo es zu Ostern in der letzten Woche noch eher frisch und kühl war auf dem Petersplatz. Alle Blumen wurden noch einmal erneuert, als Fest für die Augen vor dem knochenhellen Marmor der prominentesten Barockfasssade dieser Erde. Europas Hochadel ist wieder zum Hochamt mit Benedikt XVI. nach Rom geströmt. Vor den Fürsten und Gräfinnen nehmen Kardinäle in Purpurrot die Plätze ein und Bischöfe in schimmerndem Violett. Die Botschafter und Botschafterinnen haben ihre Schärpen angelegt, Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber schwitzt neben dem Altar, neben sich seine Frau Karin mit schwarzem Schleier wie eine spanische Prinzessin, daneben Peter Harry Carstensen, der Landesvater Schleswig Holsteins. Wie ein König gekleidet ist Joannis, der Metropolit von Pergamon unter den Ehrengästen, der persönliche Gesandte des Patriarchen Bartholomäus I. aus Konstantinopel, als Vertreter der östlichen Christenheit. Nur das gemeine Volk lässt am Anfang der Feier noch etwas auf sich warten, die üblichen Massen: die Römer und Römerinnen vor allem. Pilger aus Bayern haben hingegen am frühen Morgen schon mit den Gebirgschützen und Blasmusik ihre seit langem bestellten Plätze eingenommen. Es sind tausende; doch auch tausende verlieren sich noch leicht in dem riesigen Rund zwischen den Kolonnaden.

Erst zum Schluss der feierlichen Messe ist der Petersplatz ganz gefüllt: Berninis göttliche Bühne, die in den letzten Jahren so viele Dramen zur Aufführung brachte. Diesmal aber wird hier keine Beerdigung zelebriert, keine Wahl ist zu feiern, auch keins der großen Hochfeste nach der göttlichen Routine im Festkreis der heiligen Liturgie, die vor Sankt Peter immer neu in Gold und Silber und Purpur glänzen und schimmern. Eine Woche nach Ostern ist es diesmal nur der Geburtstag eines alten Mannes aus Marktl am Montag, der sich aus Geburtstagen sonst so wenig macht, der hier schon am Sonntag eröffnet wird. An seinem 80. Geburtstag kann sich Joseph „Benedikt“ Ratzinger nicht an den anstrengenden Feiern vorbei drücken, auch wenn er in seiner Predigt zuerst einmal daran erinnert, dass der Tag nach der Tradition zunächst der „weiße Sonntag“ ist, an dem früher die Neugetauften noch einmal ihr „weißes Kleid“ anlegten, Sinnbild des Lichts, dem sie sich mit ihrer Entscheidung zur Nachfolge Christi verschrieben hatten.

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Nach der Uraufführung einer ersten lateinischen Messe nach 500 Jahren zu Ehren Benedikt XVI. am Samstag im fernen Berlin beginnt das Pontifikalamt in Rom so gelassen wie schon seit Jahrhunderten mit der lateinischen Allerheiligenlitanei: „Sancte Petre, tu illos adiuva! Sancte Paule, tu illos adiuva! Salvator mundi, tu illos adiuva! Sancte Andea, tu illos adiuva!“ Und so weiter, und so weiter – in kosmisch gregorianischer Zeitlupe. Unter den Italienern klingeln die Handys indes auch in den heiligsten Momenten der hochheiligen Messfeier bis in den Sitzblock auf dem „sagrato“, dem heiligen Hügel oberhalb der Freitreppen neben dem Papstaltar.

Unten werden mit den Handys auch noch Fotos vor der gigantischen Kulisse geschossen, Zigaretten geraucht und überhaupt getratscht und geratscht, dass manche Deutsche (und Polen, Iren, Spanier und Amerikaner) unwillig die Köpfe verdrehen. Messfeiern in Rom waren schon immer auf eine fast kindlich heidnische Weise profaner als die weihevollen Feiern derselben Geheimnisse in deutschen Kathedralen. Die Erfindung der Handys hat diese Entwicklung der Ablenkung nicht unbedingt umgekehrt. Um so angestrengter legen Deutsche dazu die Stirn in Falten, um aufmerksam ihrem Papst zu folgen, der da hinten, da oben auf italienisch die Texte dieses Sonntags in der Predigt auslegt, so berührt und persönlich, wie er sonst nur höchst selten zu hören ist. „Ich sehe viele bayerischen Fahnen, das tut mein Herz auf", ruft er am Schluss auf Deutsch.

In dieses offene Herz aber hatte er schon vorher sehr tief blicken lassen, auch wenn „die Liturgie nicht dazu dienen darf, vom eigenen Ich, von sich selber zu reden“, wie er gleich zu Beginn einschränkt. Bei seinem Dank kam er dann doch nicht darum herum: beim seinem Dank für das Geschenk, dass er selbst in einer Osternacht geboren und getauft wurde, was er immer als geheimnisvolles Zeichen seiner Existenz begriffen hatte, beim Dank an seine „eigene Familie und in die große Familie Gottes“. Beim Dank, dass er „erfahren durfte, was Vaterschaft heißt“ als jener menschlichen Erfahrung, von der her sich ihm der Zugang öffnete zu „dem großen und gütigen Vater im Himmel, der auch unsere Schwachheit annimmt und uns aufhilft, um langsam den aufrechten Gang zu lernen“. Bei seinem Dank für die Erfahrung „mütterlicher Güte“, bei seinem Dank für seine Geschwister, für die Weggefährten, Freunde und Helfer und besonders dafür, dass er vom ersten Tag an in die große Gemeinschaft der Glaubenden hineinwachsen durfte, „in der die Grenze zwischen Leben und Tod, zwischen Himmel und Erde aufgerissen ist.“

Der größte Beifall aber brandet bei seinem Dank – auch unter den Rauchern und Dauertelefonieren in der Tiefe des Raums und des Platzes - jedes Mal bei der Erwähnung seines Vorgängers Johannes Paul II. auf, der den alten weißen Sonntag vor Jahren in ein „Fest der göttlichen Barmherzigkeit“ umwandelte, bevor er er vor zwei Jahren an eben diesem Festtag „in die göttliche Barmherzigkeit hinein gestorben ist, von der er über den Tod hinaus von Gott her ganz neu zu uns spricht: Vertraut dem göttlichen Erbarmen!“ Es war derselbe Abend, an dem der große Pole seinen Platz für Joseph Ratzinger aus Deutschland räumte, der sein Leben im Rückblick dieses Geburtstags heute noch einmal auffächert wie einen bunten Bilderbogen, von seiner Kindheit im Bayrischen, dem Ritus seiner Priesterweihe - flach auf den kühlen Fliesen des Freisinger Doms – und der doch wieder am allerpersönlichsten zu werden scheint, als er endlich nicht mehr von sich sprechen muss, sondern die Texte dieses Sonntags auslegen darf wie ein Dorfpfarrer seiner Kindheit: vom zweifelnden Apostel Thomas, der mit der Hand in den Wunden Christi seinen Herrn und Gott erkennt. Denn er „hat seine Wundmale in die Ewigkeit mitgenommen. Er ist ein verwundeter Gott. Von der Liebe zu uns hat er sich verwunden lassen.“

Paul Badde ist Rom-Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt“ und Herausgeber der Zeitung „Vatican“ – Bestellmöglichkeiten der Zeitschrift unter www.vatican-magazin.com - Achtung: Ermäßigung für kath.net-Clubmitglieder – Infos siehe hier.

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Foto: (c) Agenziasir

   

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