
Ankara (www.kath.net) Es klingt wie ein gewaltig schlechter Scherz in diesen Tagen: Papst Benedikt XVI. wird bei seinem Besuch in Istanbul umgebracht. Das ist die Handlung eines Romans, der kürzlich in der Türkei erschienen ist. Entsetzt reagiert der apostolische Vikar in Istanbul auf die Publikation.
Monsignore Louis Pelâtre beklagte im Interview mit I.Media den fehlenden Respekt gegenüber der Religion. „Das ist sehr traurig“, stellte er fest. Das Buch „Papa’ya suikast“ („Attentat auf den Papst“) mit dem Untertitel „Wer wird Benedikt XVI. in Istanbul umbringen?“ wurde von Yücel Kaya verfasst, einem Krimiautor.
Auf 336 Seiten erzählt er von Intrigen und Komplizenschaft, bei denen das Opus Dei und der türkische Geheimdienst eine Rolle spielen. Auch ein Kardinal tritt auf, der unbedingt Papst werden will.
Das Werk ist mehr als eine geschmacklose Fiktion: Es ist ein Affront angesichts der Situation der Einschüchterung und Rechtlosigkeit, in der Minderheiten in der Türkei leben müssen. Auf Anfrage versicherten der apostolische Vikar von Anatolien, Luigi Padovese, sowie der Apostolische Nuntius Antonio Lucibello, die Sicherheit des Papstes sei nicht in Gefahr.
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Padovese gibt jedoch zu, dass die Türkei zwar offiziell ein laizistischer Staat sei, in den letzten Jahrzehnten der Islam jedoch sehr gewachsen sei. Das habe die Türkei sehr beeinflusst. „Nicht auf dem Papier, aber faktisch”, sagte er dem „Messaggero di Sant’Antonio”.
Religiöse Minderheiten haben nichts zu lachen. Es brauche zuallererst eine juridische Anerkennung der verschiedenen Konfessionen, fordert Padovese. „Als katholische Kirche existieren wir zum Beispiel in der Türkei gar nicht. Die Behörden wissen, dass ich das Oberhaupt der katholischen Gemeinschaft bin, aber tatsächlich werde ich wie ein privater Bürger betrachtet.“
„Es handelt sich um literarische Fiktion und als solche müssen wir sie sehen“, beschwichtigt auch der Apostolische Nuntius in der Türkei, Antonio Lucibello, laut Bericht von „Il Giornale“.
Ein Priester, der anonym bleiben wollte, richtete im März ein Schreiben an die Agentur „AsiaNews“, wo er den Alltag beschrieb. „Einige nationalistische Zeitungen sprechen weiterhin von den Missionaren und ihrem Proselytismus. In den Köpfen der Leute wird weiterhin der Gedanke eingetrichtert, dass die Kirche die Türken ,bekehren’ will und deswegen eine Gefahr darstellt.“
„Die Türkei zählt über 70 Millionen Einwohner, und unter ihnen gibt es nur rund 150.000 Christen. Ich frage mich, wie ein Land, das laizistisch und demokratisch ist, Angst vor ein paar Bekehrungen haben kann, wenn gleichzeitig einige Zeitungen für Konversionen vom Christentum zum Islam – vor allem durch Hochzeiten mit Einheimischen – werben, die nicht gerade wenig sind.“
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