
Vatikan (www.kath.net)
Das inzwischen bestsellerverdächtige Buch "Das Göttliche Gesicht" von Paul Badde wird im Juni in polnischer Sprache mit einer Startauflage von 50.000 erscheinen. Für diese Ausgabe hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner ein Vorwort über das Göttliche Tuch von Manoppello verfasst. KATH.NET dokumentiert exklusiv das Vorwort im Wortlaut:
Der polnische Primas, Stefan Kardinal Wyszynski, sagte im Oktober 1978
unmittelbar nach dem Konklave, dass Papst Johannes Paul II. nun von Christus
die Aufgabe übernommen hat, die Kirche in das Jubiläumsjahr 2000 und damit
in das neue Jahrhundert hinüber zu führen. Das hat der Heilige Vater - wie
wir alle wissen - mit der Gnade Gottes großartig getan. Er war wie ein Mose,
der das Volk Gottes sicher durch die Wüsten der Zeit in das Jubiläumsjahr
und darüber hinaus geführt hat. Als das Jubiläum vorbei war, gab er uns in
seinem Apostolischen Schreiben "Novo millennio ineunte" gleichsam das
Kursbuch für den Weg der Kirche durch das neue Jahrhundert und das neue
Jahrtausend in die Hand.
Das zweite Kapitel ist überschrieben: "Das Antlitz, das es zu betrachten
gilt". Darin schreibt der Papst in der Nummer 16:
"Wir wollen Jesus sehen' (Joh 12,21). Diese Bitte wurde von einigen
Griechen, die als Pilger zum Paschafest nach Jerusalem gekommen waren, an
den Apostel Philippus gerichtet. In diesem Jubiläumsjahr ist sie auch uns
geistig in den Ohren geklungen. Wie jene Pilger vor zweitausend Jahren, so
bitten die Menschen unserer Zeit, wenn auch nicht immer bewusst, die
heutigen Gläubigen, nicht nur von Christus zu ,reden', sondern ihnen
Christus zu zeigen, ihn gleichsam ,sehen' zu lassen. Ist es etwa nicht
Aufgabe der Kirche, das Licht Christi in jeder Epoche der Geschichte
widerzuspiegeln, sein Antlitz auch vor den Generationen des neuen
Jahrtausends erstrahlen zu lassen? Unser Zeugnis wäre jedoch unerträglich
armselig, wenn wir nicht zuerst Betrachter seines Angesichtes wären. Das
Große Jubiläum hat uns sicherlich geholfen, tiefer in diese Betrachtung
hineinzufinden. Während wir nach Abschluss des Jubiläums den gewöhnlichen
Weg wieder aufnehmen und dabei den Reichtum der in diesem ganz besonderen
Jahr erlebten Erfahrungen im Herzen tragen, bleibt der Blick mehr denn je
auf das Antlitz des Herrn gerichtet".
Werbung
Ist es nicht ein Zeichen der göttlichen Vorsehung, dass der Journalist Paul
Badde wohl das älteste Abbild des Antlitzes Jesu wieder entdeckt und der
Öffentlichkeit bekannt gemacht hat? Paul Badde macht deutlich, dass diese
kostbare Reliquie des Herrn seit dem Neubau der Peterskirche verschollen war
und nun in Manoppello, einem kleinen Ort in den Abruzzen, wieder gefunden
worden ist.
Was diesen Fund so sensationell macht, ist, dass er sich deckt mit dem
Turiner Leichentuch, d.h. das Antlitz von Manoppello und das Antlitz von
Turin sind deckungsgleich. Nur handelt es sich in Manoppello um das Antlitz
des österlichen Herrn und in Turin um das Antlitz Christi in der Passion.
Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden. Er hat ein menschliches Gesicht
angenommen, und in dieses Christusgesicht können wir nun hineinschauen.
Während es in Turin das Haupt voll Blut und Wunden ist, ist es in Manoppello
das Gesicht des auferstandenen Herrn, das noch unter dem österlichen Glanz
auf die Verwundungen der Passion hinweist, aber überstrahlt ist von der
Verklärung des Ostergeschehens.
Unser Gott hat in Jesus Christus ein menschliches Gesicht angenommen. Es hat
jemand gesagt: Man wird dem Gott bis ins Gesicht ähnlich, den man anschaut.
Betendes Anschauen nennen wir auch Betrachten. Betrachten ist kein passiver
Vorgang, sondern ein aktiver. Unser Gesicht gleicht sich dem Bild an, das
wir im Gebet anschauen. Und in Manoppello ist uns ein gutes Anschauungsbild
Christi gegeben. Er ist wirklich Mensch geworden. Seine menschliche Natur
hat er nicht wie bei einem normalen Menschen: die Hälfte vom Vater, die
Hälfte von der Mutter, sondern die menschliche Natur hat er allein von
Maria. Und darum sieht er sicher auch seiner Mutter ähnlich. Wir werden im
Antlitz Christi auch des Antlitzes seiner Mutter ansichtig, so wie Kinder
auch das Gesicht ihrer Eltern sichtbar machen.
Es ist wirklich eine Gnade Gottes, dass uns im sechsten Jahr nach der
Jahrtausendwende das Antlitz Christi, wohl die älteste Christusreliquie,
geschenkt wurde, sodass wir das Bild Christi betrachten dürfen, um es dann
für unsere Mitmenschen auf unserem Gesicht ansichtig werden zu lassen. Wir
haben alle unser Gesicht im Original noch nie gesehen, immer nur im
Spiegelbild. Im Original sehen es die Menschen, die mit uns zusammenleben,
zusammenarbeiten und zusammenbeten. Darum sollten wir bei der Morgentoilette
nicht nur darauf achten, dass unser Kopf in Ordnung ist, sondern dass auch
unser Gesicht in Ordnung ist, denn es ist gleichsam das Schaufenster unseres
Herzens. Da wir als Ebenbilder Gottes erschaffen sind, haben wir die
Fähigkeit, das Bild Christi abzubilden, sodass nun auch auf unserem Gesicht
das Antlitz Jesu sichtbar wird.
Beim letzten Konsistorium im März dieses Jahres sagte mir ein alter
emeritierter Kardinal: "Wenn Jesus 79 Jahre alt geworden wäre, hätte er
sicher so ausgeschaut wie unser Papst Benedikt XVI." Ich glaube, damit hat
er das Geheimnis dieses Papstes, aber auch das Geheimnis von Papst Johannes
Paul II. getroffen: dass sie in ihrem Gesicht und in ihrer ganzen
Persönlichkeit ein Widerstrahl des liebenswürdigen Antlitzes Christi sind.
Der Journalist Paul Badde schildert uns spannend wie ein "Sakralkrimi" die
Wiederentdeckung des heiligen Tuches mit dem Jesusantlitz. Wir sind ihm
dafür überaus dankbar. Er nimmt uns in seinem Buch "Das Göttliche Gesicht"
mit auf die Entdeckungsreise und lässt uns dann auch zu glücklichen
Entdeckern werden, sodass wir sagen können: "Wir haben seine Herrlichkeit
gesehen" (Joh 1,14).
Köln, im Mai 2006
+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
Der Buchtipp: Das Göttliche Gesicht - Ein Bestseller von Paul Badde
KATHPEDIA: Manoppello - Das Antlitz Christi
|