
Rom (www.kath.net)
Ihr Buch um die spannende Spurensuche des Antlitzes Jesu hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Was ist in der Zeit seit Beendigung Ihrer Arbeiten an „Das Göttliche Gesicht“ geschehen? Gibt es neue Entwicklungen rund um diese einzigartige Reliquie?
Paul Badde: Es wächst eine Art atemloser Erwartung um diese Entdeckung. Es wachsen auch die Besucherströme von Ost und West. Es wächst die Anzahl der Fernsehleute, die einen Film darüber machen wollen – oder inzwischen schon gemacht haben. Denn eigentlich ist dieses Bild ja zu groß für das menschliche Fassungsvermögen – besonders nach den letzten Jahrhunderten, in denen wir es uns fast ganz abgewöhnt hatten, Reliquien noch irgendeine Bedeutung zuzumessen.
Dass da in einem abgelegenen Winkel der Abruzzen die kostbarste Reliquie der Christenheit plötzlich wieder vor uns auftaucht, macht ein wenig hilflos. Es ist ein absolut unerklärliches Objekt, das in großer Klarheit das Gesicht einer Person aufbewahrt. Keiner hatte je mehr damit gerechnet. Viel erwarten viele Menschen deshalb von einem deutenden Wort des deutschen Papstes zu diesem so außerordentlichen Zeichen der Zeit.
Was wissen Sie über die Reisepläne des Papstes, was können Sie vielleicht verraten? Wird er in diesem Jahr noch nach Manoppello reisen, um diese Reliquie zu verehren?
Paul Badde: Er wird gewiss noch in diesem Jahr nach Manoppello reisen. Im Februar habe ich aus dem Apostolischen Palast gehört, dass es im Mai sein wird. Der Bischof von Chieti sagte danach, dass es etwas später sein könnte. Dass er kommt, habe der Papst ihm aber fest versprochen, schon im letzten Dezember. Wäre er nicht Papst geworden, wäre er wohl schon Ende April 2005 gekommen. Im Konklave hat ihm Kardinal Meisner sehr eindrücklich davon berichtet. Jetzt will er dieses Bild der Bilder selber sehen.
Welche Auswirkungen wird es auf die katholische Kirche haben, wenn der Papst nach Manoppello fährt? Erhält hier einfach ein Wallfahrtsort den "päpstlichen Segen" oder wird mit weitergehenden Folgen zu rechnen sein?
Paul Badde: Gewiss wird der Papst selbst zuerst als ein Staunender nach Manoppello kommen. Da geht es ihm kaum anders als den meisten Pilgern. Er kommt aber auch als Suchender, der an der Seite Johannes Paul II. wie nur wenige Theologen das Gesicht Gottes studiert hat und theoretisch sehr viel darüber weiß. In diesem Gesicht drückt sich doch wie in keinem Text sonst das Herzstück des Glaubens aus. Es ist auch das Herzstück vom Verständnis der Person, wie es im Westen entwickelt wurde.
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Zu seiner ersten Enzyklika („Gott ist die Liebe“) hat Benedikt XVI. sich vom menschlichen Gesicht Gottes inspirieren lassen, wie er sagte. Es kann deshalb kaum anders sein, als dass die Begegnung mit diesem authentischen Gesicht Jesu in Manoppello sein Pontifikat auf eine jetzt noch nicht zu erfassende Weise prägen wird. – Und auch Manoppello wird sich durch diesen Besuch natürlich sehr verändern.
Vom Turiner Grabtuch weiß man, dass es immer wieder von unabhängigen Wissenschaftskommissionen untersucht wurde. Wird die Kirche für das Tuch von Manoppello solche Untersuchungen nun ebenfalls veranlassen?
Paul Badde: Ja, aber sicher nicht überstürzt. Denn erstens ist es ein solch ungeheuer zartes Gewebe, dass es allein schon ein kleines Wunder ist, dass es überhaupt überlebt hat. Vergleichbar große Stücke aus Muschelseide sind aus der ganzen Antike nicht bekannt. Zweitens gibt es aber auch schon viele Forschungen zu dem Bild, die es alle zusammen bisher allerdings immer nur noch rätselhafter haben werden lassen. Das betrifft die Kunstgeschichte ebenso wie das Studium vieler alter Texte zu dem Bild.
Drittens hat der Fortschritt der Digitaltechnik in den letzten Jahren schon ohne jede Berührung des Gewebes zu Ergebnissen geführt, die noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen wären. Viertens lassen sich gewiss also auch bald ganz neue Untersuchungen durchführen, für die das Bild nicht aus dem Glas hervor geholt werden muss. Zum Beispiel kann bald ein rätselhafter Glassplitter in dem Rahmen problemlos untersucht werden – und sich mit dem Kristall des alten Rahmens vom Schleier der Veronika im Tresor des Vatikans vergleichen lassen. Überhaupt könnte auch dieser Rahmen noch viel genauer untersucht werden. Danach wird die Forschung sicher weiter gehen.
Am Passionssonntag wird traditionell das so genannte "Veronika-Reliquiar" im Petersdom gezeigt. Wurde dies in diesem Jahr wieder getan, wo doch nun als gesichert gelten kann, dass die echte Reliquie das „Volto Santo“ aus Manoppello ist?
Paul Badde: Ja, das Reliquiar von Sankt Peter wurde auch in diesem Jahr am Passionssonntag wieder für Sekunden über die Brüstung der Loggia des Veronika-Pfeilers gehalten, als wäre nichts geschehen – vielleicht nur noch etwas kürzer. Doch was sollen die armen Domherren auch tun? Jeder von ihnen weiß so gut wie ich, dass absolut nichts auf diesem alten Gewebe zu erkennen ist, das sie da hochhalten und oben in dem Pfeiler seit Jahrhunderten aufbewahren.
Und sie ahnen wohl auch, dass in Sankt Peter einmal irgendetwas sehr schief gelaufen sein muss. Aber auch sie haben sich inzwischen ja längst angewöhnt, Reliquien allgemein in einem Sinn, den sie für modern halten, nicht mehr so ganz wichtig zu nehmen. Dass es jetzt moderner sein soll, diese Objekte noch einmal neu und anders zu betrachten, muss sie da natürlich nervös machen. Deshalb sind sie in dieser Hinsicht vielleicht noch etwas hilfloser als normale Christen. Auch sie werden also sehr gespannt auf ein Wort des Papstes warten.
Welche Bedeutung kann es für Christen haben, wenn sie (nun) wissen, wie Jesus aussah? Wenn sie davon ausgehen können, dass auf dem Muschelseidentuch von Manoppello das Gesicht Jesu zu sehen ist?
Paul Badde: Ganz so kann man es nicht sagen. Denn Christen wussten ja schon seit langem in etwa, wie Christus aussah – weil eben dieses Bild von Manoppello Vorbild und Vorlage für fast alle Christusikonen und Bilder der Welt geworden ist, entweder direkt oder indirekt - zusammen mit dem Schatten auf dem Turiner Grabtuch. Doch zum Kern Ihrer Frage: heute können wir sehen, dass es eine unglaubliche Bedeutung für den Gang der Theologie hatte, als dieses Bild vor rund 400 Jahren plötzlich verschwand und heimlich ausgetauscht wurde. Deshalb dürfen wir auch jetzt schon davon ausgehen, dass es eine ähnlich enorme Bedeutung für die Theologie, die Ökumene und überhaupt die ganze Welt haben wird, wenn dieses Bild Gottes jetzt plötzlich wieder unbeschädigt vor uns auftaucht.
Interview: Weltbild-Verlag
Foto: Paul Badde
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