
Berlin (kath.net/idea) Künftig wird es an Brandenburgs Schulen Lebenskundeunterricht in Trägerschaft des atheistischen Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD) geben. Er wird mit dem Religionsunterricht der großen Kirchen gleichgestellt sein. Das hat das Potsdamer Landesverfassungsgericht entschieden. Dem brandenburgischen Schulgesetz zufolge durften bisher nur Kirchen und Religionsgemeinschaften weltanschaulichen Unterricht erteilen. Dagegen hatte der HVD geklagt. Einen Erfolg konnten die Atheisten auch in Berlin verbuchen: Dort unterzeichneten Vertreter des von SPD und PDS gebildeten Senats und des HVD ein neues Abkommen über die Finanzierung des Unterrichts. In beiden Bundesländern gibt es kein ordentliches Schulfach Religion.
Der Religionsunterricht der Kirchen hat lediglich den Status einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft. In Berlin gibt es auch islamischen und buddhistischen Religionsunterricht. Dort plant der Senat einen für alle Schüler verpflichtenden Ethikunterricht. In Brandenburg gibt bereits das staatliche Schulfach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER). Schüler, die am Religionsunterricht teilnehmen, können sich von LER abmelden. Wie der Vorsitzende des HVD-Landesverbands Berlin-Brandenburg, der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Gerd Wartenberg, erklärte, habe das Potsdamer Landesverfassungsgericht mit seinem Urteil der Pluralität Rechnung getragen. Brandenburg sei nicht allein christlich, sondern weltanschaulich und kulturell vielfältig geprägt. Der HVD wolle LER nicht beeinträchtigen. Daher müßten alle am Lebenskundeunterricht teilnehmenden Schüler im Gegensatz zu den Teilnehmern des Religionsunterrichts auch weiter LER besuchen.
Werbung
CDU: Humanistischer Verband betreibt antichristliche Propaganda
Hingegen äußerte der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, der Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel (CDU), den Verdacht, daß der Lebenskundeunterricht den Schulunterricht „für die eigenen ideologischen Zwecke“ des HVD funktionalisieren soll. Die Art und Weise, mit der sich der Humanistische Verband für die Legitimierung seines eigenen Faches antikirchlicher und antichristlicher Propaganda bediene, lasse „für die inhaltliche Ausrichtung eines solchen künftigen Faches nichts Gutes erwarten“.
Berliner Senator: Neuregelung zeigt „Bedeutung des Lebenskundeunterrichts“
In Berlin wird der Senat nach eigenen Angaben künftig 90 Prozent der Personalkosten für die Lebenskundelehrer übernehmen. Die mit dem HVD geschlossene Regelung sei „textgleich“ mit den Finanzierungsvereinbarungen, die die Landesregierung mit den Kirchen abgeschlossen habe, so Kultursenator Thomas Flierl (PDS). Dies unterstreiche, „welche Bedeutung der Senat dem Lebenskundeunterricht an Berliner Schulen beimißt“.
Foto: (c)
www.thomas-rachel.de Weitersagen: |