
Zugegeben, die Pressearbeit für den Weltjugendtag in Köln ist eine gigantische Aufgabe, und es ist gelungen, die Medien in aller Welt, vor allem aber auch die lokalen Medien, intensiv auf dieses Großereignis vorzubereiten. Wichtig ist dabei, dass die Botschaft dieses Glaubenszeugnisses nicht nur im kirchlichen Bereich kommuniziert, sondern auch in die säkulare Welt hineintransportiert wird. Und in den säkularen Medien weht der katholischen Kirche bekanntlich oft ein eisiger Wind entgegen. So ist zum Beispiel der Kölner Stadtanzeiger nicht selten ein Forum für hetzerische Kirchenkritik und für jede noch so gossenhafte Attacke auf Kardinal Meisner. Dennoch und vielleicht gerade deswegen mag es wichtig sein, auch den Kölner Stadtanzeiger so in die Informationspolitik einzubeziehen, dass der Weltjugendtag den Lesern dieser Zeitung positiv vermittelt wird. Bei diesen gut gemeinten Bemühungen ist man aber offensichtlich in Gutgläubigkeit über alle sinnvollen Grenzen hinausgegangen und hat einen schweren Fehler begangen. Man hat die "Weltjugendtagszeitung", die an alle Pilger verteilt wird und die zum Beispiel als "Pilgerzeitung" in Rom beim Weltjugendtag 2000 nicht nur die wichtigen aktuellen Informationen weitergab, sondern zusätzlich auf lockere und moderne Art Zeugnis für den katholischen Glauben gab, ausgerechnet in die Verantwortung des Kölner Stadtanzeigers gegeben - mit dem zu erwartenden Ergebnis. Wie zu erfahren ist, gibt es einen Vertrag mit dem Stadtanzeiger: Den Innenteil der Weltjugendtagszeitung mit den Programmhinweisen gestaltet das Weltjugendtagsbüro, den Mantel der Stadtanzeiger. Dieser soll, so heißt es "im Geist des Weltjugendtags" geschrieben sein. Die Ausgabe vom Montag verzeichnet schon auf der Titelseite die Meldung "Erotik macht blind". Im Blatt selbst wird das noch mit "erotischen" Darstellungen garniert. In ganzseitigen Anzeigen wird täglich der reichlich unchristliche Werbespruch "Geiz ist geil" unter die Leute gebracht. Die antikirchliche Stimmung wird dabei subtil verbreitet. Im Gegensatz zur Pilgerzeitung von 2000 kommt der Glaube so gut wie gar nicht vor, stattdessen finden sich Überschriften wie "Geschäft mit dem Papst floriert". Alle "wichtigeren" Artikel sind natürlich ins Englische übersetzt. Die erste größere Meldung betrifft den Anschlag auf ein Weltjugendtagslager. Das einzige kirchliche Ornament ist ein Grußwort von Kardinal Lehmann, der einladende Erzbischof von Köln kommt in der ganzen Zeitung gar nicht vor. Bisheriger Höhepunkt war aber die Zeitung vom Dienstag, die aufmacht mit "Fun, Fun, Fun" und die dann auf der letzten Seite einen erstaunlichen Beitrag bietet. Unter der Überschrift "Plakat-Attacke. Unbekannte beschädigen christliche Werbung für Kondome" entschuldigt sich ein "Koordinator" des "Weltjugendtags für alle", hinter dem sich die Gruppe "Wir sind Kirche" verbirgt, für "konservativ-fundamentalistische Pilger", die so intolerant seien, dass sie solche Plakate zerstören. Die "Mehrheit der Katholiken" fordere vom Papst, das "tödliche Kondomverbot" aufzuheben, denn Kondome seien "der einzige Weg". Doch "der politische Einfluss der Kirche verhindere jegliche Aufklärung". Darüber dann ein großes Plakat mit zwei turtelnden homosexuellen Männern: "Wir glauben an Gott. Wir glauben, dass Sex heilig ist. Wir glauben daran, fürsorglich miteinander umzugehen. Wir glauben an den Gebrauch von Kondomen". Im Weltjugendtagsbüro ist zu erfahren, man habe "versucht" zu intervenieren und versuche auch zu verhindern, das sich Ähnliches wiederholt, wenn am Wochenende auf dem Marienfeld vierhunderttausend Ausgaben dieser Zeitung verteilt werden. Man kann nur hoffen, dass es gelingt, wirklich die Reißleine zu ziehen. Denn so etwas haben die rastlosen Organisatoren des Weltjugendtags nicht verdient.
Werbung
Foto: (c) KATH.NET |