
Rom (kath.net/Kipa) Insbesondere Christen und Muslime
sollten dabei vor der Welt bekunden, dass Religion nie ein Motiv
für Konflikte, Hass und Gewalt sein dürfe, sagte er am Sonntag
bei seinem Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Die Katholiken rief
er auf, den 14. Dezember als Gebets- und Fasttag für einen
sicheren und gerechten Frieden zu machen.
"In diesem historischen Moment braucht die Menschheit Gesten
des Friedens und Worte der Hoffnung", sagte der Papst unter dem
Applaus von mehreren zehntausend Menschen auf dem Petersplatz.
Dazu sei es notwendig, dass die Religionen in einer gemeinsamen
und inständigen Anrufung Gott um das Geschenk des Friedens
bitten. Dieser Frieden sei notwendige Voraussetzung für jeden
ernsthaften Beitrag zum Fortschritt der Menschheit.
Bereits vor 15 Jahren, im Oktober 1986, hatte der Papst die
Religionen der Welt zu einem Friedensgebetstreffen in die
mittelitalienischen Franziskus-Stadt Assisi eingeladen. Das von
hochrangigen Christen- und Religionsführern aus aller Welt besuchte
Treffen gehört zu den Höhepunkten im Pontifikat von Johannes Paul
II.
KATH.NET dokumentiert die Ansprache vom 18.11.2001(Übersetzung durch ZENIT)
Liebe Brüdern und Schwester! 1. Die internationale
Lage ist weiterhin unruhig und von besorgniserregenden Spannungen
betroffen. Wir können nicht umhin, an die schweren Leiden zu erinnern,
die viele unserer Brüder und Schwestern in der Welt getroffen haben und
die sie weiterhin treffen: Tausende unschuldiger Opfer bei den
Attentaten des vergangenen 11. September, zahllose Menschen, die
gezwungen sind, ihre Wohnstatt zu verlassen, der Ungewißheit und
manchmal einem grausamen Tod entgegenzugehen; Frauen, alte Menschen und
Kinder, die der Gefahr ausgesetzt sind, an Kälte und Hunger zu sterben.
In einer Situation, die aufgrund der ständigen Bedrohung durch den
Terrorismus dramatisch geworden ist, haben wir das Bedürfnis, unseren
Ruf zu Gott zu erheben. Je unüberwindlicher die Schwierigkeiten
erscheinen und je düsterer die Aussichten sind, umso eindringlicher soll
unser Gebet sein, um von Gott das Geschenk des gegenseitigen
Verständnisses, der Eintracht und des Friedens zu erflehen.
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2. Wir
wissen, dass das Gebet um so mehr Wirkung hat, wenn es von Fasten und
Almosen begleitet ist. So lehrt es das Alte Testament, und die Christen
haben seit den ersten Jahrhunderten diese Lehre übernommen und sie
angewandt, besonders in der Advents- und in der Fastenzeit. Ihrerseits
haben die Muslime gerade den Ramadan begonnen, einen Monat, der dem
Fasten und Beten gewidmet ist. Für uns Christen wird nun bald der Advent
beginnen, und wir werden uns durch das Gebet auf Weihnachten
vorbereiten, den Tag der Geburt des "Friedensfürsten". In dieser
geeigneten Zeit bitte ich die Katholiken, dass der nächste 14. Dezember
ein Fastentag sei, an dem wir inbrünstig zu Gott beten wollen, damit er
der Welt einen dauerhaften und auf Gerechtigkeit beruhenden Frieden
gewähre. Möge er es geben, dass sich angemessene Lösungen finden mögen
für die vielen Konflikte, welche die Welt peinigen. Dasjenige, von dem
man sich im Fasten enthält, kann den Armen zur Verfügung gestellt
werden, insbesondere denen, die in diesem Moment an den Folgen des
Terrorismus und des Krieges leiden. Ich möchte darüberhinaus ankündigen,
dass es meine Absicht ist, die Vertreter der Weltreligionen am 24.
Januar 2002 nach Assisi einzuladen, um für die Überwindung der
Gegensätze und für die Förderung echten Friedens zu beten. Wir Christen
und Muslime wollen insbesondere dort zusammentreffen, um vor der Welt zu
erklären, dass die Religion niemals ein Grund für Konflikt, Hass und
Gewalt sein darf. Wer wirklich in sich das Wort des guten und
barmherzigen Gottes annimmt, muss jegliche Art von Hass und Feindschaft
aus seinem Herzen ausschliessen. In diesem historischen Moment braucht
die Welt nichts nötiger, als Zeichen des Friedens zu sehen und Worte der
Hoffnung zu hören. Vor fünfzehn Jahren sagte ich bereits, als ich das
Gebetstreffen für den Frieden ankündigte, dass in Assisi im
darauffolgenden Oktober stattfinden sollte: "Es ist wichtig, dass eine
nachdrückliche Anrufung im Chor unser aller Stimmen von der Erde zum
Himmel klinge, um vom Allmächtigen, in dessen Händen das Schicksal der
Welt liegt, die große Gabe des Friedens zu erflehen, notwendige
Voraussetzung allen ernsthaften Einsatzes im Dienste des wahren
Fortschritts der Menschheit". 3. Ich vertraue diese Initiative von
Anfang an der mütterlichen Fürsprache der Gottesmutter Maria an, und
bitte sie, unsere Anstrengungen und die der ganzen Menschheit auf dem
Weg des Friedens zu unterstützen. Dich, o Friedenskönigin, bitten wir,
uns zu helfen, mit der Kraft der Wahrheit und der Liebe auf die neuen
und erschütternden Herausforderungen der Gegenwart zu reagieren. Hilf
uns, auch diese schweren Stunden zu überwinden, welche die Ruhe und den
Frieden so vieler Menschen erschüttern, und hilf uns, dass wir uns ohne
Zögern beim Aufbau einer wahren Friedenskultur jeden Tag und überall
einsetzen.
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