
KATH.NET: Das Buch "Theologie des Leibes für Anfänger" ist eben
erschienen. Es trägt den Untertitel "Einführung in die sexuelle Revolution
nach Papst Johannes Paul II.".Wie ist das zu verstehen bzw. was ist so
revolutionär?
Edel: Alles, was Johannes Paul II. verkündet hat, entsprach immer dem
Evangelium und der gesamten hl. Schrift. Was er jedoch gemacht hat, war
neues Licht auf schon immer Dagewesenes zu werfen. Wenn der hl. Apostel
Paulus sagt, dass die Verbindung von Mann und Frau zu einem Fleisch ein
"tiefes Geheimnis" ist und er es auf "Christus und die Kirche bezieht" (vgl.
Eph 5, 31-32), ist schon allein damit die Sexualität als etwas Heiliges und
Sakramentales erklärt - sie ist nicht nur das, was sie ist, sondern weist
auch auf etwas anderes hin: auf das, worauf wir zugehen bzw. berufen sind:
die innigste Vereinigung mit Christus.
Kurz gesagt, das Revolutionäre an unserem Hl. Vater war, dass er - wie kein
anderer vor ihm - erkannt hat, dass Ehe und Sexualität heilig sind - ja, ein
entscheidender Weg zur Heiligkeit sein kann. Ehe ist nicht nur als legitime
Weise seine Sexualität "auszuleben" (Heilmittel gegen die Begierde) zu
verstehen, sondern der Papst betrachtete die Sexualität als "tiefes
Geheimnis" (Eph 5,32), um Gott noch besser zu verstehen: als Abbild des
inneren Lebens der Dreifaltigkeit. Würden wir die Sexualität richtig
verstehen, könnten wir auch Gott, den Dreifaltigen besser verstehen und
damit unsere Berufung, nämlich Teil dieses Lebens der Dreifaltigkeit zu
werden. Und auch den Weg dahin gibt Christus uns vor: So wie Er, der sein
Leben für seine Braut, die Kirche hingegeben hat, sollen auch wir bereit
sein, uns GANZ hinzugeben (vgl. Eph 5, 21+25), ALLES zu geben. Was unseren
Papst noch so revolutionär macht ist die Würde der PERSON, die jedem
Menschen zukommt und der allein durch die Liebe entsprochen wird - eben
diese Liebe, die Christus uns zeigt. Das hat er auch bis zum Ende seines
Lebens verkündet - auch mit seinem eigenen Leben.
KATH.NET: Wann entstand diese "Theologie des Leibes"?
Edel: Im Grunde war schon immer der Leib als "Theologie" gedacht: eine
Offenbarung Gottes durch den menschlichen Leib. Aber um diese Offenbarung
Gottes zu erkennen, hat uns der Papst eine besondere "Brille" gegeben: Indem
er in den ersten Jahren seines Pontifikats die wöchentliche Mittwochsaudienz
diesem Thema gewidmet hat. Diese 129 Kurzansprachen, die er von 1979-1984
hielt, bezeichnet man zusammengefasst als "Theologie des Leibes". Dieses
Gesamtwerk ist im Original jedoch leider nicht (mehr) in Buchform
erhältlich, sondern höchstens im Internet abrufbar (z.B. auf
http://www.stjosef.at/dok_paepste_johannes_paul.php - allerletzter
Dokumenteblock: Katechesen des Heiligen Vaters Papst Johannes Pauls II. über
Ehe, Familie und Sexualität). Bis jetzt zumindest! Es würde sich sehr
lohnen, den Originaltext wieder zu verlegen!
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KATH.NET: Warum fällt es heute so schwer den Leib, die Sexualität als
Theologie, als Offenbarung Gottes zu sehen?
Edel: Laut Papst ist es gerade die "bräutliche" Liebe, die sich in der
Sexualität vollzieht, diejenige Weise, die am deutlichsten das Leben Gottes
versinnbildlicht (wenngleich auch jeder Vergleich hinkt - dieser jedoch am
wenigsten). Doch genau da arbeitet natürlich der Versucher am stärksten, das
Bild zu entstellen - zu verzerren. Kein Wunder, dass gerade im Bereich der
Sexualität und der Ehe so viele Irrtümer und Zerrbilder existieren!
Christus ist jedoch gekommen, um uns wieder zum ursprünglichen Bild - dem
ursprünglichen Plan Gottes mit der Leiblichkeit und der Sexualität
zurückzuführen. Es besteht also Hoffnung - für jeden Menschen.
KATH.NET: Dieses neue Licht auf die Sexualität klingt schön, aber ist es
nicht zu schwer danach zu leben?
Edel: Der Papst sagt, wenn Gott wirklich durch die Leiblichkeit erfahrbar
sein kann, dann muss das für jeden Menschen nachvollziehbar sein können.
Freilich ist unsere menschliche Natur durch die Erbsünde getrübt, aber Jesus
Christus hat die Sünde bereits besiegt und mit seiner Hilfe können wir
wieder diesen neuen Blick bekommen und auch danach leben. Ja, eigentlich
können wir erst dadurch wirklich leben - nämlich in (innerer) Freiheit und
der Begierde widerstehend - und in innerem Frieden und mit noch mehr Freude
und Intensität!
Dabei hilft uns gerade die Kirche: indem sie uns Jesus - im Sakrament der
Eucharistie und der Versöhnung - direkt zugänglich macht, uns hilft von
neuem anzufangen und unseren Blick zu schärfen - für das, was wahr, gut und
schön ist. Die Kirche ist also alles andere als eine "Gesetzespolizei" -
sondern sie will uns einzig und allein DAS Heilmittel zugänglich machen:
Jesus selbst.
KATH.NET: Wer ist Christopher West, der Autor des Buches?
Edel: Christopher West ist katholischer Autor und Professor aus den USA.
Obwohl er selbst anfänglich die Lehre der Kirche nicht verstehen konnte, hat
er nicht aufgegeben den Fragen nachzugehen und tiefer zu graben. Auf seiner
Suche ist er auf die "revolutionäre Lehre" von Johannes Paul II. gestoßen,
die sein gesamtes Leben verändert hat. Seither hält er Vorträge, Seminare
(er ist ein vortrefflicher und sehr humorvoller Redner!) und schreibt Bücher
zu diesem Thema. Er unterrichtet die Theologie des Leibes am St. John
Vianney Theological Seminary in Denver sowie am John Paul II Institute for
Studies on Marriage and Family in Melbourne, Australien. Er ist selbst
verheiratet und hat drei Kinder. Ich persönlich finde, dass es wohl kaum
jemanden gibt, der diese geniale Lehre des Papstes so verstanden hat und sie
so wunderbar (für Laien) verständlich präsentieren kann wie Christopher
West.
KATH.NET: Wie sind Sie dazu gekommen, dieses Buch zu übersetzen?
Edel: Schon viele Jahre beschäftige ich mich mit diesem Thema durch meine
Arbeit bei YOU!-Magazin (www.youmagazin.com), bei dem ich seit seinem Beginn
im deutschen Sprachraum als Redakteurin tätig bin. In einer Serie des
Magazins, die gerade beendet wurde und die den Titel "Love, Sex and Soul"
trug, hat unser Chefredakteur Michael Cech die Theologie des Leibes in 9
Teilen für Jugendliche präsentiert und dabei v.a. aus den Quellen des
Papstes und Christopher Wests geschöpft. Die Serie ist übrigens auch im
Internet abrufbar: http://www.youmagazin.com/?588
Ich selbst bin für die Online-Redaktion verantwortlich. Dort können
Jugendliche interaktiv Fragen stellen, die von vielen sog. "YOU!-Mönchen" (=
Priestern, Ordensleuten) sowie "Jenny" und "Joe" (Laien) beantwortet werden.
Diese Helpline oder Mönchline koordiniere ich schon mehrere Jahre und ohne
die "Schatzkammer" der päpstlichen Schriften und der Erklärungen durch
Christopher West wäre heute diese Arbeit unvorstellbar.
Christopher West selber habe ich durch eine einzige Kassette "kennen gelernt",
die mir eine schottische Freundin geschenkt hat. Darauf war ein Vortrag von
ihm zu hören. Eine Redakteurin von uns hat eine ganze Kassettenreihe von
C.West als Geschenk erhalten: von einer kanadischen Freundin.
Das hat genügt, um mich und uns von der Genialität dieses Mannes zu
überzeugen. Ich selbst fahre im Sommer in die USA zu einem Seminar mit
Christopher West (Summer Institute für Multiplikatoren der Theologie des
Leibes - für Interessenten siehe www.ChristopherWest.com).
Hinweis:
Christopher West
Theologie des Leibes für Anfänger
176 Seiten
10,00 EUR
Das Buch kann ab sofort direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der
Buchhandlung
CHRIST-MEDIA (Auslieferung Österreich und Deutschland) und der Buchhandlung
Immanuel (Auslieferung Schweiz) bestellt werden.
Achtung: Lieferung sofort nach Verlagsauslieferung!
Es werden die anteiligen
Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern
(A, D, CH) aufgegeben, dadurch nur Inlandportokosten.
Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland:
buch@kath.net
Für Bestellungen aus der Schweiz:
buch-schweiz@kath.net
Seminar zu Theologie des Leibes:
München: 7. bis 8. Mai
an der Ludwig-Maximilian-Universität
Infos im
www.ksforum.de
Wien: 1. bis 3. Juli mit "Amici di Dio" und "Legionäre Christi"
Referenten: P. Michael Luxbacher und P. George Elsbeth
Infos bei www.amicididio.com Weitersagen: |