LOGIN


eingeloggt bleiben

neu registrieren
Passwort vergessen


+ version 4.2
  
Nachrichten Community Service

  NACHRICHTEN
     Aktuelles
     Österreich
     Deutschland
     Schweiz
     Weltkirche
     Chronik
     Jugend
     Spirituelles
     Buchtipp
     Interview


  SERVICE
     
     KATH.NET-CHAT
     kathTube
     Radio kathTube
     Kathpedia
     Newsletter
     Termine
     KATH.NET-Club
     Leserreisen 2010
     Werbebanner
     Newsticker
     kathShop


  INTERNATIONAL
     English
     Italiano
     Français
     Español
     Slovensky
     Hrvatski
     Português

     Nuntii latini


  SUCHE
     






Anderswo...

DIE PRESSE - 1. 9 - Wer bekreuzigt sich in der St Pauls Cathedral

ORF SCIENCE - 2. 9 - Hawking braucht keinen Gott

UNTERBERGER - 2. 9 - Wiener Heuchelei beim Kindesmissbrauch

REPORT MAINZ - 31. 8 - Wie klagewütige Anwohner den Bau von Kindertagesstätten verzögern und verhind

ORF SCIENCE - 1. 9 - Klosterstudie zu Lebensalter und Gesundheit von Männern und Frauen

SäCHSISCHE ZEITUNG - 31. 8 - Der Papst sollte auf die Knie gehen - sagt X Naidoo

RP ONLINE - 31. 8 - Die Sixtinische Kapelle hält ewig

Top Artikel der letzten 7 Tage

Die Demut wendet diese Beschimpfungen in Segen!

3.268 Prophezeiungen der Bibel erfüllt

Ist Sarrazin ein Rassist oder Prophet?

Mediale Gerüchte rund um Erzbischof Marchetto

Meisner sieht ‚erbitterten Kampf‘ gegen das Christentum

Die 'wahren Verhältnisse'

Italien: Aufregung um Missionsversuch Gaddafis

Deutschland: Katholiken kritisieren Bundesbank-Vorstand Sarrazin

Der Papst als Professor mit seinen Studenten

Chiara war schön und 17 Jahre jung - Mit 18 starb sie an Knochenkrebs


26. März 2005, 08:24
Abbild Gottes














Artikel kommentieren
Tippfehler melden
Druckversion
Artikel versenden

  WEITERE ARTIKEL ZUM
  THEMA 'Jesus Christus'

Kürzlich wurde das Schweißtuch der Veronika im Petersdom wieder gezeigt. Welt-Korrespondent Paul Badde durfte es als erster Journalist von nahem bestaunen. Und sah – eigentlich nichts.

Vatikan (www.kath.net /welt) Der Sakristan öffnet die letzte Tür eines schweren Tresors. Hoch oben, in einem der vier Pfeiler der Kuppel des Petersdoms, nimmt der Sakristan einen reich bestickten Brokatvorhang ab und tritt einen Schritt zurück vor dieser innersten und geheimsten Schatzkammer des Doms. Sofort erkenne ich den Schleier der Veronika im Schatten: den verschwiegensten Schatz des Vatikans. Noch nie hat ein Journalist die Kronreliquie der Christenheit von Nahem sehen dürfen - und auch sonst kaum ein gewöhnlicher Sterblicher.

Denn das so genannte Schweißtuch der Veronika umgibt seit vierhundert Jahren ein delikates Geheimnis. Bis zum Zeitalter des Barock hat es unter Christen den Glauben verbreitet, dass ihnen der unsichtbare Gott sein Antlitz hinterlassen habe. „Vera eikon“ (wahres Bild) oder einfach: „La Veronika“ nannten sie deshalb den Schleier, dem auf rätselhafte Weise das Gesicht Christi eingeprägt war. Dante und Petrarca haben es besungen, viele Maler haben es gemalt. Mit der „Veroniken thun und geben sie für, es sei unseres Herrn Angesicht in ein Schweißtüchlein gedruckt“, schrieb Martin Luther jedoch schon 1545 in seiner letzten großen Streitschrift über die „teuflischen“ Machenschaften des Papsttums.

Denn diese Ikone und nicht die Tugend der Päpste hatte ja vor allem Millionen Menschen mit ihren Dukaten und Talern nach Rom gezogen. Das Tuchbild war ein Magnet, den die Nachfolger Petri schon seit dem 8. Jahrhundert in ihrer Schatzkammer verwahrten. Kein Gold der Welt hätte es aufwiegen können.

Ob Luther die Reliquie selbst je gesehen hat, ist schleierhaft. „Es ist nichts denn ein schwartz Bretlin, viereckt“, beschrieb er es spöttisch, „da henget ein klaret lin für, darüber ein anderes klaret lin, welches sie auffzihen, wenn sie die Veronica weisen. Da kann der arm Hans von Jene nicht mehr sehen denn ein klaret lin für einem schwarzen bretlin“.

Ob der arme Hans von Jena nicht doch noch mehr gesehen hat als nur ein klares Linnen, ist schwer zu ermitteln. Denn von nahem bekamen es schon damals nur noch die Kanoniker von Sankt Peter zu sehen, sonst niemand. König Friedrich III. von Habsburg musste sich deshalb in der Mitte des 15. Jahrhunderts eigens zum Domherren weihen lassen, um die Veronika aus der Nähe betrachten zu dürfen, ähnlich kurz danach König Christian von Dänemark.

Bis heute wird die Reliquie zwar jeweils am zweiten Sonntag vor Ostern in einer besonderen Zeremonie von einem Balkon hoch unter der Peterskuppel für etwa drei Sekunden gezeigt. Doch es gibt kein Foto von ihr. Das ist fast so, als gäbe es auch kein Foto des Turiner Grabtuchs. Große Peinlichkeit umgibt die kostbarste Reliquie der Päpste längst wie ein zweiter Schleier - hinter dem auch die alte Vorstellung längst peinlich geworden zu sein scheint, Gott könnte je sein Gesicht gezeigt haben.

Werbung

Unmoderneres ist ja kaum zu denken. Es gibt Stimmen, die munkeln, das Bild wäre überhaupt schon vor langem gestohlen und durch eine Attrappe ersetzt worden. Schon in der Zeit des „sacco di Roma“, als deutsche und spanische Landsknechte Rom verwüsteten, soll das Original verschwunden sein, oder später, als verbitterte Kanoniker die Veronika beiseite schafften, bevor es von der alten in die neue Petersbasilika transportiert werden sollte.

Im Jahr 1506 hat Bramante den Grundpfeiler des neuen Petersdoms zwar noch eigens als dicksten Tresor der Christenheit für die Veronika errichtet. Doch ausgerechnet seit jener Bauzeit hat sie kaum jemand mehr von nahem gesehen. Hinter der Sakristei des Petersdoms wird immer noch der kostbare alte Rahmen des Bildes verwahrt. Jedoch ist das Glas zerbrochen und das hintere Futter heraus gerissen. Nur die alten Maße des Originals gibt er noch frei. Das alte Sichtfeld war nicht größer als 25 mal 25 Zentimeter. Das zerbrochene Glas scheint stumm von einer Geschichte zu berichten, die noch niemals erzählt worden ist.

Das ändert sich erst in diesen Tagen. „Ausnahmsweise“, hieß es in einem Brief, den ich kürzlich aus dem Vatikan bekam, erlaube mir der Präsident der Dombauhütte, die Veronika zu sehen, auch wenn „die Reliquie, die in der Höhe des Pfeilers verschlossen ist, in einem sehr schlechten Zustand und unerkennbar ist“. Doch keine Fotos, bitte! In Sankt Peter möge ich nach einem Signore Mauro fragen, dem Sakristan des Petersdoms. Zur Zeit der Vesper schloss er mir vor gut einer Woche also die Tür im Fuß einer Kuppelsäule auf.

Ein schmaler Gang führt in dem Pfeiler zu einer Wendeltreppe. 62 Stufen führen in dem Schneckenhausgewinde nach oben, bis wir plötzlich wieder den Gesang der Vesper aus der Tiefe des Doms hören können. Eine Kammer öffnet sich ins Freie. Das innerste Verlies des Vatikans ist kein Verlies, im Gegenteil. Der Flur von der Breite eines Zimmers ist an beiden Längswänden mit purpurroten Wandteppichen ausgemalt. Nach vorne führt er über den Balkon ins Freie des mächtigen Raums der Basilika, in vielleicht dreißig Metern Höhe.

Der Sakristan hat eine verschlissene alt-rote Damasttasche dabei mit silbernen Bordüren, aus der er nun vier schwere Schlüssel hervor holt, dazu ein kleines handgeschriebenes Büchlein, nach dessen minutiöser Anleitung er als erstes ein großes Gitter zur Rechten aufschließt. Dahinter schiebt er ein dunkelrotes Tuch zur Seite, setzt in die nächste schwere Eisentür zwei Schlüssel gleichzeitig links oben und unten in passende Schlüssellöcher, dreht sie und schließt mit dem letzten Schlüssel dreimal schnappend drei weitere kleine Schlösser auf, die wohl einem anderen Mechanismus folgen müssen. Danach schlägt er die schwere Eisentür lautlos nach links herum auf, nimmt den schweren Silberrahmen mit dem Schleierbild aus dem Tresor und stellt ihn nebenan in eine Nische vor meine Augen.

Die echte Veronika! Ich gehe nach links, nach rechts und muss mich fast zwingen hinzusehen. Da ist ganz und gar nichts zu erkennen. Es ist ein Objekt in Auflösung: ein fleckiger dunkler Stoff ohne jede Kontur. Ohne jede Zeichnung oder Farbe oder andere Bildspuren. Von einem Gesicht, oder auch nur der Idee eines Gesichts kann keine Rede sein. Nur der Ausschnitt einer Goldverkleidung verleiht ihm von ferne die Ahnung eines Gesichtsschnitts. Ich tastet mit dem Strahl meiner Stablampe das Gewebe ab: doch es ist kaum auszumachen, dass es überhaupt Gewebe ist. Das Bild ist eine Ruine. Es ist ein Rätsel, was es jemals war oder gewesen sein mochte.

Ich holte ein Metermaß aus meiner Manteltasche. Das „Bild“ misst mit der Goldabdeckung 32 x 20 Zentimeter; die Aussparung für das „Gesicht“ vom oberen „Scheitelpunkt“ bis zur „Bartspitze“ 28,3 Zentimeter und von links nach rechts 12,7 Zentimeter. Es passt überhaupt nicht in den alten Rahmen. Es kann nicht die wahre Veronika, es muss eine uralte ererbte Fälschung sein.

Als ich wieder unten stand, dauerte die Vesper immer noch an. Ich drängte zum Hauptaltar, um besser zu der Brüstung hinaufschauen zu können, hinter der ich gerade noch gestanden hatte. Nie gehörtes Glockengeläut kam aus der Säule, dann kamen zwei Domherren vor den Rand des Balkons, hoben das Reliquiar der Veronika zum Segen kreuzweise einmal nach oben und einmal nach links und einmal rechts. Es war zu weit für ein taugliches Foto des Objekts. Doch jetzt wusste ich: man erkennt von unten soviel wie oben – nichts.

Das Bild Gottes ist der Christenheit in ihrem Zentrum in Rom abhanden gekommen, vor langer Zeit schon, mit ungeheuren Auswirkungen für eine immer bildärmere und wortreichere Theologie - für die katholische wie für die reformatorischen Kirchen. Ab jetzt aber - ab Ostern 2005 - darf und muss das wahre Bild Christi neu gesucht werden. Es ist nicht mehr in Rom.

Wo aber ist es geblieben? Es wird doch nicht verloren sein. Ein „nicht von Menschenhand gemachtes“ Bild, wie es früher hieß, das den alten Kopien und Beschreibungen der Veronika entspricht und auch in den alten Rahmen hinter der Sakristei des Petersdoms passt, wird doch nicht einfach verschwunden sein: ein „klaret Lin“, das etwas vom durchsichtigen Gesicht der Güte Gottes zeigt.

Foto: © Manfred Ferrari

   

Lesermeinung

Ihre Meinung

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikel müssen Sie sich bei bei kathLogin registrieren. Alle User von kathTube wurden bereits automatisch übernommen. Die Kommentare werden von Moderatoren überprüft und freigeschaltet.Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.




Werben auf kath.net  



Helfen Sie kath.net mit Ihrer
Spende!

kath.net auf Papier!
meist kommentierte Artikel

Deutschland: Katholiken kritisieren Bundesbank-Vorstand Sarrazin (76)

Ist Sarrazin ein Rassist oder Prophet? (55)

Italien: Aufregung um Missionsversuch Gaddafis (38)

3.268 Prophezeiungen der Bibel erfüllt (37)

100 Jahre 'Antimodernisteneid' - Ein großes Glaubensbekenntnis (36)

SPD-Bundesvize Schwesig lässt sich taufen (23)

Leistet Widerstand gegen den Zeitgeist! (22)

Hütet euch vor Menschen, denen nichts mehr heilig ist! (21)

Die 'wahren Verhältnisse' (20)

Belgien: Neue Vorwürfe gegen Kardinal Danneels (18)


© kath.net 2000 - 2010    |    Impressum